Büro für Gestaltung
und Realisierung
Der viersemestrige Jahreskurs beginnt mit den heutigen Grundlagen
für Typografie und Gestaltung. Er beantwortet auch die Frage,
was für Kultur und Wirtschaft wesentlich ist. Dabei sind kommunikative
Aspekte der Typografie besonders hervorgehoben, das nötige
konzeptionelle Denken für Designprozesse wird erläutert. Einfaches
Gestalten kann schon viele Lösungen bringen.
Gestaltung auf der Fläche führt in den Problemkreis ein. Die Zusammenhänge von Fläche und Form, Schrift und Fläche, Punkt und Linie, sowie Spannung, Symmetrie, Gliederung und Rhythmus sind einige der Themen. Und zu allem gibt es Detailaufgaben, die von den Teilnehmern erarbeitet werden.
Historische Aspekte wie die Frühgeschichte der Schrift und visuelle Kommunikation werden herausgegriffen. Als Kontrast dazu wird ein Bereich der Typografie im 20. Jahrhundert, nämlich die des Bauhauses, dargestellt.
Aufbauend auf Grundlagenübungen geht es zunächst um kompositionelle Möglichkeiten der typografischen Gestaltung. Der Umgang mit Elementen auf der Fläche steht dabei im Mittelpunkt und ist die Basis für die spätere angewandte Gestaltung.
Im zweiten Teil wird die Mikrotypografie als Grundlage der Typografie beleuchtet. Die Mikrotypografie ist eine wesentliche (und oft missachtete) Voraussetzung für eine gelungene typografische Gestaltung. Hier wird viel Wert darauf gelegt, dass diese Probleme durchdacht und Lösungen dafür gefunden werden.
Ein Rückblick auf die Typografie und Schrift seit Gutenberg schafft brauchbare historische Bezüge zu heute.
Von Buchstabendetails über Abstände von Zeichen, Wörtern,
Zeilen, Rändern bis zu Hervorhebungen und Visualisierungen auf der
Seite gibt es enorm viele gestalterische Möglichkeiten. Daraus folgt
fast nahtlos der Seitenaufbau, der anhand von Buchseiten erläutert
wird. Buchseiten deshalb, da Bücher die Basis der ypografischen
Möglichkeiten gebildet haben. Und zu allem gibt es Detailaufgaben, die
von den Teilnehmern erarbeitet werden. Die Aufgaben, die im
vorhergegangenen Teil gestellt wurden, werden jeweils besprochen
und diskutiert. Mikrotypografie in der InDesign-Anwendung erläutert
Catherine Avak.
Der Lesbarkeit von Schrift und Typografie und deren Theorien ist ein besonderer und aktueller Abschnitt gewidmet. Ein historischer Abriss berichtet über die Schrift vom Beginn der Barockzeit bis zum 19. Jahrhundert.
Es gibt eine Systematik der Druckschriften, eine Schriftklassifikation,
die die verschiedenen Schriftarten einzuteilen versucht. Das ist
nicht ganz einfach, aber in den Grundzügen plausibel. Das Wissen um
Schriftästhetik in ihrer reinen Form oder einer Schriftmischung,
Schriftveränderung und Qualität durch Digitlisierung, Schriften unter
dem Weltmarkt-Diktat Windows und der Charakter einer Schrift sind
Voraussetzungen, um mit Schrift umzugehen. Schließlich geht es um
die Wahl einer Druckschrift und die Aspekte hierzu. Zahlreiche
Aufgaben und Übungen, die jetzt auch die Gestaltung mit beinhalten, begleiten dieses Seminar. Schrift kommt von Schreiben. Darüber
referiert der Type-Designer Oliver Linke. Ein historischer Aspekt
behandelt typografische Aspekte der Schriftentwicklung vor allem im
20. Jahrhundert.
Die Buchgestaltung gilt als eine der wichtigsten Verfahrensquellen
für Typografie. Aufbauend auf den Grundlagen von Typografie,
Schrift und Gestaltung wird hier die Basis von Textbüchern erarbeitet.
Das bedeutet, dass Bücher grundsätzlich für Leser, also Benutzer,
gestaltet werden. Buchformate, Proportionsverhältnisse des Satzspiegels,
die Visualisierung von Texten durch Hervorhebungen, Überschriften und andere Besonderheiten im Lesetext gehen mit der
gezielten Schriftwahl eine Symbiose ein. Schließlich ist auch die Materialwahl des Druckträgers Papier von großer Bedeutung. Ein
Exkurs befasst sich mit der Gestaltung von Buchumschlägen, wobei
generell das Buch als Ganzes betrachtet wird. Die Teilnehmer/innen
erarbeiten als Aufgabe eine komplette Textbuchgestaltung. Besprochen werden zudem die vorliegenden Aufgaben zur Druckschrift. Historische
Betrachtungen der Buchgestaltung von ihren Reformen um 1900
bis etwa 1933 geben vertiefende Einblicke.
Die Kenntnis über Aspekte der visuellen Wahrnehmung ist für Gestalter wesentlich, um Entscheidungen richtig zu treffen.
Typografie kann farbig ihre Wirkung stark verändern. Das führt dazu, dass man sich hier grundsätzlich mit der »Farbe an sich« beschäftigt. Farben sehen, die Wirkung von Grundfarben, Farbstimmungen durch Kontraste, visuelle Farbprogramme und deren Anwendung sind weitere Themen.
Ilona Amann, die an den Akademien in Stuttgart und München Farblehre betreut, spricht über Farbe in den verschiedenen Kulturen und leitet umfangreiche praktische Übungen zur Komposition mit Farben an.
Komposition hängt von Flächen und Proportionen ab und deshalb
kommt man an Systemen nicht vorbei. Rastersysteme finden sich auf
sehr vielen gestalteten Objekten. Wir kennen sie vor allem in der
Architektur, im Corporate-Design, Info-Systemen, Zeitschriften,
Büchern und mehr. Schließlich bedeutet Integrale Gestaltung den
verdichteten Umgang mit Typografie, Bild, Fläche und Farbe zur
Komposition.
Die Geschichte der Proportionssysteme ergänzt und
erläutert das Grundthema. Die Buchgestalterin Christiane Gerstung
wird dabei als Gastreferentin erläutern und anleiten.
Mit einer Betrachtung des Zusammenhangs von Ästhetik und
Werbung beginnt der Teil, in dem nun praktische Anwendungen
vorherrschen. Typografisch gestaltete Prospekte und Broschüren bis
zu Geschäftsberichten werden analysiert. Ein Exkurs befasst sich mit
Warenkatalogen und ein weiterer mit Aspekten der Packungsgestaltung.
Eine thematische Aufgabe dreht sich um eine Imagebroschüre,
die von den Teilnehmern erarbeitet wird. Die Aufgaben des vorangegangenen
Teils des Jahreskurses Typografie werden diskutiert. Ein
historischer Rückblick erläutert die typografische Entwicklung von
1900 bis etwa 1940.
Die vorausgegangenen Grundlagen und die bereits erarbeiteten Anwendungen führen nun zu Aufgaben wie Anzeigen und Plakate. Erläutert wird dies anhand der jeweiligen Geschichte. Rundblicke in der heutigen Zeit ergänzen dies und erlauben auch den Blick auf die Typografie »draußen«. Ein Exkurs gilt den Personalanzeigen in Zeitungen. Spezielle Bereiche der Plakatgestaltung folgen. Nun gibt es thematische Aufgaben zu Plakat und Anzeigen, die von den Teilnehmern erarbeitet werden. Besprechung der Aufgaben aus dem letzten Modul folgen wie üblich. Ein historischer Rückblick umfasst die Geschichte des Plakates und von Werbeanzeigen. Ein weiterer Exkurs gilt der Geschichte der Typografie der 70er und 80er Jahre des 20. Jahrhunderts.
Corporate Design ist ein schwieriges Thema, in dem bereits eine
gewisse Könnerschaft gefordert wird. Aber Corporate Design fängt
auch einfach, bei kleineren Firmen, an. Meistens beginnt das bei
Visitenkarten und Briefbögen. Konzeptionelles Denken ist schon hier
gefordert. Die Grundlagen, Voraussetzungen,
Theorien zu Corporate
Design, Corporate Image und Corporate Culture werden erörtert, viele
Beispiele gezeigt. Den Prozess der Entstehung eines Corporate Designs
erläutert Dagmar Gorbach. Die Teilnehmer erhalten eine umfangreichere
Aufgabe für ein kleines Corporate Design. Besprochen werden
zudem die Ergebnisse der Aufgabe von Plakat und Anzeige.
Ein theoretischer Rückblick erläutert die Typografie der (besseren) fünfziger Jahre.
Was in den Grundlagen der Gestaltung bereits erlernt wurde,
erfährt hier eine angewandte Erweiterung. Die Bildkomposition
und
was ein gutes fotografisches Bild ausmacht erläutert der Fotograf
Dominik Parzinger anhand seiner praktischen Arbeiten. Aufbau,
Komposition und Grundlagen führen zu einer Betrachtung verschiedener
Bildarten und wie sie gesehen und benutzt werden.
Auch bei Infografiken handelt es sich um Bilder. Deren Palette von der populären Ergänzung bis zu technisch-wissenschaftlicher Grafik werden erläutert. Wie Bilder gelesen werden ist Thema aller Bildsorten. Und auch durch das große Gebiet der Bildsprachen und Bildwelten (vor allem in der Werbung) wird durch Martin Summ kompetent eingeführt.
Bücher, die Bilder und Texte enthalten, gehören zu einer Kategorie
komplexerer Gestaltung. Komplexität auch übersichtlich zu gestalten
ist ein Teil der Aufgabe. Text und Bild wollen integral verwoben sein,
wobei der Begriff der Inte-gration in der Typografie seit den 1960er
Jahren an Bedeutung zugenommen hat. Ein wichtiger Teil widmet sich dem typografischen
Gestaltungsraster, der wiederum auf Formaten,
Proportionen und gestalterischen Notwendigkeiten beruhen kann.
Verschiedene Konzepte von Büchern werden erläutert. Das Wahrnehmen
in Büchern führt zu einem Exkurs über didaktische Typografie
wie sie nicht nur für Schul- und Lehrbücher
bedeutend ist. Als
Aufgabe folgt eine Text-Bildbuch-Gestaltung. Eine Betrachtung der
Buchgestaltung ab 1950 rundet die Eindrücke ab.
Das vierte Semester beginnt mit einer Theorie der Gebrauchseigenschaften
der Zeitschrift. Die Besonderheiten des Aufbaus und der
Bausteine, Seitenraster, Struktur und Visualisierung werden mit der Analyse einer Zeitschrift und deren Heftkritik gekrönt. Eine aktuelle
Zeitschriftenschau folgt und wird diskutiert. Die Entwürfe von
Text-Bild-Büchern werden besprochen, was wiederum der Komplexität
wegen sehr gut zum Thema der Zeitschriftengestaltung passt. Es
folgt die Aufgabe zum Entwurf einiger Teile einer Fachzeitschrift. Und
falls noch Zeit bleiben sollte, beschäftigen wir uns mit der Geschichte
der Zeitschriftengestaltung.
Print-orientierte Gestalter wundern sich manchmal, wie
anders es im Web zugeht. Manche Web-Gestalter gehen gut mit der
Technik, aber schlecht mit der Gestaltung um. Dass Web-Gestaltung
hervorragend sein kann, wird durch zahlreiche Beispiele gezeigt. Aber
es geht vor allem um Grundsätzliches: Aufbau von Websites, Komposition
und Raster in diesem Medium, Schrift auf dem Bildschirm,
Möglichkeiten der Umsetzung,
Bewegung in der Typografie oder auch
einiges über den »Klang«. Also werden die Ohren auch einbezogen.
Ein sehr guter Webdesigner wird in diesem Seminar zu Gast sein.
Ein kleiner Exkurs über die Geschichte der Gestaltung auf dem Bildschirm ergänzt dieses Seminar.
Dieses Wochenende ist vor allem ein Workshop. Nach einer
Einführung in systematische Gestaltung und deren Varianten arbeiten
die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an sehr vielen Varianten zu
einem einfachen Gestaltungsthema. Spielerische Möglichkeiten sind
nun nach dem bisher Gelernten leicht möglich. Und man staunt, wie
viele Varianten es selbst bei einer eingeschränkten Aufgabenstellung
schon gibt.
In diesem letzten Teil wird am Beispiel der Herstellung von
Druckprodukten der organisatorische und technische Weg vom
Manuskript bis zur fertig palettierten Auflage erläutert und durch
praktische Beispiele dargestellt. Der heute sehr komplexe Bereich der
Produktion von Drucksachen wird anschaulich und praktisch
dargestellt. Die Themen: Projektmanagement, Projektabläufe,
Kommunikation und Schnittstellen innerhalb und außerhalb der
Firma/des Verlages, Kalkulationen, Vorbereitung von Texten und
Bildvorlagen,
Druckvorstufe, Druckverfahren, Werkstoffe Papier und
Farbe, Druckveredelung, Druckweiterverarbeitung, Druckabnahme und Qualitätskontrolle. Dieses Seminar leiten der Druckingenieur
Matthias Hauer (Aumüller-Druck, Regensburg) und der Hersteller
Peer Koop (Max Hueber Verlag, Ismaning).
Im letzten Teil stellen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in knappen Referaten ihre Studie vor.